Harald Mischnick
  

Neue Erkenntnisse über die Verlegerfamilie Münchmeyer

   

Noch vor zwanzig Jahren war die Recherche zu  einer interessanten Persönlichkeit eine zeit- und geldaufwendige Angelegenheit, und man musste in Archiven und Bibliotheken quer über Deutschland verstreut vorstellig werden, konnte von interessanten Dokumenten oft nur eigenhändig Abschriften anfertigen. Die Digitalisierung ganzer Dokumentenkategorien und deren oft kostenpflichtige Abrufbarkeit im Internet erleichtert vielerorts nicht nur Historikern und Genealogen ihre Arbeit, sondern inzwischen auch der Karl-May-Forschung. Seit einiger Zeit sind gegen Gebühr auf der Internetseite www.ancestry.de auch die Standesamtsakten von Dresden in einem nicht vom Datenschutz berührten Zeitraum abrufbar, derzeit Taufen bis 1902, Heiraten bis 1922, Sterbefälle bis 1952. Abfragen dieser, geordnet nach Familiennamen, brachten auch Interessantes über den Verleger Heinrich Gotthold Münchmeyer, dessen Familie und näheres Umfeld zutage.

Auf genealogischen Seiten sind weitere Daten eingestellt worden, die oft kurzfristig aktualisiert werden. Auch die Digitalisierung der Dresdener Adressbücher ist fortgeschritten; bis 1943/44 sind sie im Internet unter www.digital-slub.dresden.de abrufbar, weitere sächsische sowie auch die Dresdener unter www.adressbuecher.sachsendigital.de. Andere interessante Daten konnten von genealogischen Seiten bezogen werden; diese betreibt der Computergenealogenverein Compgen. Hier lohnt sich beim Suchen, Vor- und Zuname sowie Gedbas einzugeben.

Die Familie Münchmeyer, in den diversen Akten alternativ auch Münchmeier geschrieben, manchmal auch mit zwei Strichen oder Punkten über dem y, stammt aus Lauterbach bei Stolpen, inzwischen dorthin eingemeindet, und ist in diesem Dorf, beginnend mit dem Urgroßvater des Verlegers, Ehrenfried Münchmeyer, seit mindestens 1747 nachweisbar. Der Vater heißt Christian Gotthold, die Mutter Anna Rosina ist eine geborene Zistel aus Wehrsdorf in der Oberlausitz im Bautzner Land, und sie heiraten am 9. 2. 1823 in Lauterbach. Dem Ehepaar wurden zwischen Dezember 1823 und September 1842 insgesamt neun Kinder geboren, von denen drei das Erwachsenenalter nicht erreichten.

Heinrich Gotthold Münchmeyer, der am 29. 6. 1836 zur Welt kam, und die am 16. 4. 1840 in Grüna bei Chemnitz geborene Ida Pauline Ey heiraten laut den Forschungsergebnissen von Hainer Plaul am 28. 5. 1860 in Abtei-Oberlungwitz. Der Brautvater hieß danach mit vollem Namen Carl August Friedrich Ey (1816 – 1848). Die Taufe ist ins zuständige Kirchenbuch Reichenbrand eingetragen worden. Der soziale Status seines Vaters ergibt sich aus dem Sterbeeintrag des Bruders Friedrich Louis: Sein Rufname war Gotthold, und er war Schneidermeister und Hausbesitzer. Anscheinend haben alle überlebenden Kinder ihren Heimatort verlassen. Außer Heinrich Gotthold und Friedrich Louis ist noch ein Sohn vorhanden; über Gustav Clemens Münchmeyer, geboren am 9. 9. 1842, sind keine weiteren Daten bekannt, noch weniger von der Schwester Juliane Auguste; deren Geburtstag ist der 31. 7. 1825. Eine weitere Schwester, Pauline Amalie, zur Welt gekommen am 17. 10. 1839 in Lauterbach, starb am 23. 3. 1893 in Chemnitz. Alle drei kommen in den Dresdener Standesamtsdokumenten nicht vor. Der zeitweilige nominelle Verlagseigentümer um 1865 namens G. C. Münchmeyer in Roßwein könnte mit dem Bruder identisch sein. Adressbücher für Roßwein sind im Internet bis dato nicht abrufbar.
  

Abteikirche

Die Abteikirche im Oberlungwitzer Hirschgrund. Hier heiratete Heinrich Gotthold Münchmeyer die aus Grüna stammende Ida Pauline Ey.

   
Für die älteste Tochter Anna Maria, die am 12. 4. 1861 in Oberlungwitz geboren wurde, wird bei der standesamtlichen Trauung am 1. 12. 1883 in Dresden als Beruf Schauspielerin angegeben und als Wohnsitz Jagdweg 7, I. Etage. Der Bräutigam, Buchhändler Rudolf Hermann Jäger, geboren 15. 4. 1853 Dresden, wohnt zu diesem Zeitpunkt in Berlin, Fehrbelliner Straße 86 I, und ist Sohn des Kommissionsrathes Friedrich Eduard Jäger in Dresden; seine Mutter ist Christiane Amalie geborene Hauswald (alle zeitgenössischen Berufsbezeichnungen in den Dokumenten wurden bis 1912 buchstabengetreu übernommen). Der Vater stirbt am 7. 5. 1892 in Dresden und ist laut Sterbeeintrag auch Finanzsecretär, wohnhaft gewesen Ludwig-Richter-Straße 5 II. Er war gebürtig in Meißen am 31. 1. 1817; seinen Tod meldet seine Tochter Thekla Adelheid. Beide Väter sind 1883 Trauzeugen. Anna Maria stirbt am 3. 9. 1908 als Witwe in Dresden. Ihre letzte Wohnadresse lautet Bodenbacherstraße 25; die Todesanzeige erstattet ihre unter gleicher Adresse genannte verwitwete Schwester Flora Elsa. Sie haben nach fast fünfzehn Jahren Ehe (!) am 15. 9. 1898 mit der Wohnadresse Jagdweg 13 II den Sohn Heinrich Rudolf; seine Geburt zeigt die Hebamme an und nennt als Beruf des Vaters schlicht Kaufmann. Der Vater Hermann Rudolf Jäger stirbt am 21. 7. 1900 im Stadtsiechenhaus in Dresden. Dessen korrekte Bezeichnung war Stadtsiechen- und Irrenhaus. Weitere Kinder sind in Dresden nicht gemeldet worden (!). Der Eintrag des ersten Kindes nach so langer kinderloser Ehe macht stutzig, Jäger senior ist allerdings unzweideutig als Vater angegeben worden. Dabei ist zusätzlich vermerkt, dass der Sohn am 19. 9. 1971 in München starb. Heinrich Rudolf heiratet als Hoteldirektor (und das im Alter von 22 Jahren ?!) unter der Adresse Sedanstraße 7 am 23. 10. 1920 in Dresden die Kontoristin Helene Gertrud Deunert, geboren 25. 2. 1901 in Chemnitz. Zu den Eltern wird nichts eingetragen; die Ehe wird laut Vermerk im Traueintrag am 10. 12. 1934 in München wieder geschieden. Allerdings sind auch zu den davor und danach eingetragenen Ehen keine Eltern vermerkt worden. Der Bräutigam jedoch ist in den Adressbüchern für 1920 und 1921 weder mit Namen noch unter dieser Anschrift eingetragen, für die Braut gilt 1920 das gleiche. Erfolgten beim Standesamt wissentlich falsche Angaben?

Laut ihrem Eintrag anlässlich der Trauung vom 1. 6. 1887 wurde die zweite Tochter Alma Veronica am 30. 10. 1862 in Dresden geboren und ist gemäß ihrem Sterbeeintrag in der Dreikönigskirche getauft worden. Natürlich wohnt auch sie weiterhin beim Vater; ihre Berufsangabe ist Haustochter. Ihr Bräutigam ist der Musikdirector Conrad Leonhard Heubner, seinerzeit wohnhaft in Saarbrücken, geboren 23. 4. 1860 in Dresden, Sohn des Stadtraths Otto Leonhard Heubner und seiner Ehefrau Cäcilie Luise Dietsch, beide wohnhaft in Blasewitz. Der Stadtrat war Mitglied der Nationalversammlung 1848 in der Paulskirche in Frankfurt am Main. Beide Väter fungieren als Trauzeugen. Sie stirbt am 2. 4. 1952 in Dresden. Ihre letzte Wohnadresse lautete Zwinglistraße 43. Ihr Ehepartner war da schon lange gestorben, vielleicht in Koblenz. Am 30. 4. 1888 wird ihr Sohn Kurt Otto Leonhard geboren; die Eltern wohnen in Blasewitz in der Deutsche-Kaiserallee 18, der heutigen Mendelssohnstraße; eigentlicher Wohnsitz ist jedoch St. Johann-Saarbrücken. Laut Hinzufügung in seinem Geburtseintrag starb er am 2. 5. 1972 in Mannheim.

Am 19. 1. 1888 erfolgt die standesamtliche Trauung der Tochter Ida Pauline, deren Beruf die Urkunde als Haustochter angibt, eine Umschreibung für ein Dienstmädchen mit Herkunft aus besseren gesellschaftlichen Kreisen. Ihr Ehemann wird Dr. med. Karl Friedrich Schiller, geboren in Liptitz bei Oschatz am 29. 7. 1856 als Sohn des damals dort amtierenden Pfarrers Friedrich Schiller, inzwischen Mahlis, Trauzeuge ebenso wie Münchmeyer. Der Bräutigam wohnt jetzt in Ostrau bei Dübeln; dieser Ortsname ist verschrieben für Döbeln. Ida Pauline ist, was eine kleine Überraschung für die Karl-May-Forschung darstellt, weder in Oberlungwitz noch in Dresden innerhalb der seinerzeitigen Stadtgrenzen geboren worden, sondern am 23. 7. 1864 in Wachwitz östlich von Dresden, einem kleinen Dörfchen kurz vor Pillnitz; auch Wachwitz ist inzwischen nach Dresden eingemeindet worden. Was die Münchmeyers nach Wachwitz führte und unter welchem Beruf er dort wo firmierte, muss noch eruiert werden. Als Wohnadresse der Braut wird Jagdweg 7 angegeben. In Wachwitz starb am 6. 8. 1882 Auguste Ernestine Münchmeyer, eine der Schwestern des Verlegers, geboren am 17. 10. 1831. Die Rolle des Dr. Karl Schiller im Leben von Karl May ist bekannt. Das Döbelner Adressbuch für 1914/1915 weist ihn mit dem Titel Sanitätsrat als praktischer Arzt und Armenarzt aus. Ida Pauline starb 1917 wahrscheinlich in Döbeln.

Die Ehe der jüngsten Münchmeyer-Tochter stand unter keinem guten Stern. Elsa Flora, die bei der Heirat ebenfalls als Haustochter bezeichnet wird, wurde am 30. 8. 1873 in Dresden geboren. Bei ihrer Hochzeit am 14. 5. 1892 wird als ihre Adresse weiterhin Jagdweg 7 angegeben. Ihr Bräutigam ist der Kaufmann Hermann Oscar Böhler, zur Welt gekommen am 6. 3. 1857 in Plauen und auch noch ebenda wohnend, Sohn des dortigen Kaufmanns Julius Heinrich Böhler und dessen Ehefrau Bertha Luise geborene Benner. Trauzeugen sind der Bräutigamsvater und die Brautmutter. Laut Hinzufügung im Traueintrag wurde die Ehe am 3. 11. 1903 in Plauen geschieden, was am 21. 1. 1904 rechtskräftig wurde. Elsa Flora ging wieder zurück nach Dresden. Eventuelle Kinder müssten in Plauen geboren worden sein. Laut Adressbuch Plauen 1900/1901 war Böhler Inhaber der Weberei- und Strickmanufakturfabrik F. L. Böhler und Sohn ebenda. Nach dem Fabrikgründer ist in Plauen eine Straße benannt worden.

Der Inhalt aller Adressbücher auch in Dresden ist vom Redaktionsschluss im jeweiligen Jahr abhängig, für 1862 der 24. 12. 1861, für 1863 der 24. 12. 1862. Bis 1862 ist kein Münchmeyer vorhanden, auch nicht im Nachtrag während der Drucklegung, er muss aber im Verlauf jenes Jahres nach Dresden gekommen sein, da ja seine Tochter in der Dreikönigskirche getauft wurde; der Einzug kann nicht zu knapp vor der Niederkunft geschehen sein. Dasjenige für 1863 nennt die Verlagsbuchhandlung von Heinrich Gotthold Münchmeyer in der Louisenstraße 37 h I (diese Straße war damals noch nacheinander durchnummeriert, und 37 h war das achte Haus im Grundstück Nummer 37), außerdem führt ihn das Geschäftshandbuch unter den insgesamt fünf Verlagsexpeditionen, das des Adressbuchs eingeschlossen, auf; laut jenem für 1864 lebt er in der Bautzner Straße 57b I. Die beiden nachfolgenden Jahrgänge verzeichnen ihn nicht mehr. Im Jahre 1867 mit Redaktionsschluss 24. Januar 1867 erscheinen die Brüder Heinrich Gotthold und Friedrich Louis beide mit Wohnung in der Ammonstraße 33 I Hintergebäude. Friedrich Louis firmiert als Gutsbesitzer. 1868 wohnt Friedrich Louis in der Ammonstraße 33 I Hintergebäude, Heinrich Gotthold Rosenweg 35 I mit Geschäftslokal in der Ammonstraße 33 Parterre; der Rosenweg ist die heutige Rosenstraße. 1869 ist Heinrich Gotthold mit Privatwohnung und Geschäftslokal in die Ammonstraße 33 Parterre gezogen. Diese Anschrift gilt auch für 1870 und 1871. Im Jahre 1872 ist Friedrich Louis nicht mehr verzeichnet, sein Bruder ist jetzt Verlagsbuchhändler und Buchdrucker in der Ammonstraße 57 Parterre und I. Etage, ebenso 1873 und auch noch Anfang 1874; zu Ostern zieht er in den Jagdweg 14 um. Dieses Haus ist samt Hintergebäude sein Eigentum und neu erbaut worden.

Ab 1885 ist Johann August Walther, den Karl May als Münchmeyers Faktotum bezeichnet, einer von Münchmeyers Mietern; vorher ist er dort nicht nachzuweisen. Am 7. 2. 1900 stirbt er im Krankenhaus im Alter von 72 Jahren 6 Monaten 7 Tagen. Seine Berufsbezeichnung zu diesem Zeitpunkt ist Corrector, seine Adresse Jagdweg 13. Er wurde geboren in Wallroda bei Radeberg und hinterlässt die Witwe Laura Sidonie geborene Krämer. Die Witwe stirbt im Stadt-Irren- und Siechenhaus im Alter von 62 Jahren 8 Monaten 19 Tagen am 11. 6. 1905; eine Wohnadresse in Dresden ist nicht angegeben. Laut diesem Eintrag ist sie auch in Dresden geboren worden, ihr Mann ist Literat gewesen. Ihre Heirat scheint vor 1876 erfolgt zu sein.

Die vielen Adressen des Verlags im Jagdweg, nacheinander die Hausnummern 14, 7, 13, resultieren aus Umnummerierungen, da immer wieder Häuser hinzugebaut wurden, und einer späteren Systemänderung, ab der die linke Straßenseite vom Rosenweg zur Freiberger Straße die ungeraden Hausnummern erhielt. Eine Verlagsadresse mit der Hausnummer 15 konnte bis 1895 nicht belegt werden. Die für das Jahr 1899 vorgenommene Stichprobe betreffend die 15 verlief negativ. Ida Pauline ist bis 1904 laut Adressbüchern noch Hausbesitzerin im Jagdweg 13, wohnt aber 1904 im Gegensatz zu 1903 in der Bodenbacherstraße 25. Dort war sie bei ihrer Erstnennung 1902, nach der Eingemeindung von Gruna, unter der vorherigen Bezeichnung Pirnaische Straße 25 mit Wohnadresse Jagdweg 13 Hauseigentümerin, nach ihrem Tod 1928 sind das ihre Erben. Als ihr Mieter lebt 1902 bis 1905 der pensionierte Pfarrer Friedrich Schiller in der Bodenbacher Straße 25, also der Schwiegervater ihrer vierten Tochter, ein Witwer, sie ab 1904 im Erdgeschoss, er in der ersten Etage, weiterhin bald auch bis auf die verheiratete Schiller alle anderen Töchter. Der Pfarrer stirbt ebenda am 31. 8 1905. Sein Wohnsitz wirft ein schiefes Licht auf die Verwicklung seines Sohnes in die Münchmeyer-Prozesse. Das Haus befand sich Ecke Zwinglistraße und war das übernächste nach der Thomaskirche. Die beiden Töchter lebten dort anscheinend bis zur Zerstörung des Hauses am 13./14. 2. 1945, denn im Adreßbuch 1943/44 sind sie dort noch eingetragen. In jener Ausgabe ist eine Privatsekretärin Dora Jäger im Hause nachgewiesen, die eine Nichte der Schwestern gewesen sein könnte.

Die diversen Daten sind Beleg für einen starken Zusammenhalt der Familie Münchmeyer, denn drei der vier Töchter wohnten nach dem Ende ihrer Ehen wieder mit der Mutter zusammen und blieben nach deren Tod im Haus wohnen, dessen Miteigentümer sie durch die Erbschaft geworden waren. Die geschiedene Böhler wird beim Einzug ihren damals noch kleinen Sohn mitgebracht haben. Zudem war viel Geld vorhanden. Das ursprüngliche dann kriegszerstörte Verlagshaus im Jagdweg hatte ebenfalls ein Hintergebäude. Ob Friedrich Louis zum Kauf Geld hinzugab, ist offen. Ein Indiz dafür könnten die Wohnadressen zweier seiner Kinder sein, doch wird der Zuzug einer Tochter nicht allein Familienbanden geschuldet sein. Der Vater Münchmeyer starb schon am 23. 3. 1847 in Lauterbach, die Mutter Anna Rosina am 28. 7. 1863 ebenda.
 

Heinrich Münchmeyer und Karl May

Obwohl es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Foto des Kolportageverlegers Heinrich Gotthold Münchmeyer gegeben hat, sind keine Aufnahmen überliefert. Carl-Heinz Dömken hat versucht, ihn anhand von Beschreibungen und des Aussehens seiner Neffen zu porträtieren. Die Zeichnung zeigt ihn mit Karl May, der ihm ersehnte Manuskripte übergibt.

   
Heinrich Gotthold Münchmeyers Töchter galten wohl als sogenannte ›gute Partien‹. Mit seiner Ältesten band er Jäger an sich, die anderen heirateten in bessere Kreise, einen Arzt, einen Fabrikanten, einen Musikdirektor. Ungeachtet seiner Verwicklungen vor allem in Prozesse wegen des seinerzeit anstößigen Inhalts seiner Buchprodukte scheint er sich gesellschaftlich einen guten Namen erworben zu haben. Seine Witwe konnte das Geld zusammenhalten und nach dem Verkauf des Verlagshauses ein neues Gebäude mit garantierten Mieteinnahmen erwerben.
    

Münchmeyer Töchter

Anna Marie und Alma Veronica, zwei der vier Töchter von Heinrich Gotthold Münchmeyer. – Foto Barbara Marget.

  
Gemäß einer im Internet abrufbaren Datei im gängigsten genealogischen Datenbankformat Gedbas wurde Friedrich Louis Münchmeyer am 15. 4. 1829 in Lauterbach geboren und heiratete am 12. 1. 1854 ebenda Karoline Wilhelmine, Tochter des Karl Gottlieb Heyde und der Johanne Eleonore Eysold aus Lauterbach, geboren dort am 25. 1. 1834. Der berufliche Stand des Schwiegervaters ist in der Datei nicht enthalten. Bis 1864 lässt Friedrich Louis sieben Kinder in Lauterbach taufen, weitere in Schönfeld, mindestens jedoch einen Sohn und eine Tochter, die ebenda heirateten, jedoch ab Einsetzen der Beurkundungspflicht bei Standesämtern 1876 sind keine Geburten mehr eingetragen. Anscheinend hat er spätestens 1866 seinen Besitz in Schönfeld erworben. Ab 1889 ist er auch als Wirthschaftsauszügler bezeichnet worden, so bei der Beurkundung seines Todes, der am 25. 12. 1897 während des Gottesdienstes erfolgte. Das meldet sein Sohn Gustav Clemens. Seine letzte Wohnadresse lautet Schönfeld 22. Ein Guts- oder Wirtschaftsauszügler hat sein Gut an einen Nachfolger übergeben oder verkauft, sich aber zur Wohnung im Haus oder Grundstück ein oder mehrere Zimmer oder aber ein ganzes Gebäude vorbehalten beziehungsweise aus der Verkaufsmasse herausgezogen. Die Witwe des Friedrich Louis stirbt bei ihrer verheirateten Tochter Auguste Preller in Klotzsche am 31. 5. 1906.

Amalie Auguste Münchmeyer heiratet mit Aufgebot vom 1. 10. 1891, in Schönfeld Nr. 22 wohnend, den aus Hermsdorf bei Hirschberg in Schlesien stammenden Kutscher August Heinrich Preller in Klotzsche und zieht zu ihm. Sie ist geboren am 13. 8. 1866 zu Schönfeld und getauft am 2. 9. 1866 ebenda; die Beglaubigung des Pfarramts Schönfeld nennt leider keine Taufpaten. Ihr Vater wird bei ihrer Taufe als Gärtner bezeichnet, was seinerzeit meistens den Besitzer eines Gutes mit wenig Feld gleich beim Haus bedeutete. Die Braut ist im Jahre 1889 Wirthschaftsgehülfin, und beide Väter sind beziehungsweise waren Wirthschaftsbesitzer. Für den Brautvater besteht hierbei ein Widerspruch zu 1889, denn Gustav Clemens, geboren am 19. 10. 1863 in Lauterbach, heiratet am 6. 4. 1889 in Löbtau als Stereotypeur, wohnhaft in der Flußstraße 6 in Löbtau; sein Vater ist laut dieser Beurkundung Gutsauszügler. Die Braut Johanne Theresie Emma Nagel ist Punktiererin, ihr Vater war Dienstmann. Die Familie bleibt in Löbtau.

Als am 4. 2. 1882 der Buchdrucker Gustav Adolf Münchmeyer, geboren am 14. 7. 1857 in Lauterbach bei Stolpen, Sohn des Landwirths Friedrich Louis Münchmeyer und dessen Ehefrau Wilhelmine geborene Heyde, beide seinerzeit in Schönfeld bei Dresden lebend, die Schneiderin Emma Selma Berger heiratet, Tochter eines Schaffners, geboren am 13. 1. 1860 in Dresden, ist sein Onkel Heinrich Gotthold einer der beiden Trauzeugen. Der andere wohnt wie der Bräutigam im Haus Weinligstraße 9 in Dresden. Bereits am 2. 7. 1882 werden die beiden Eltern einer Tochter Elisabeth Emma, und der Vater gibt gegenüber dem Standesamt als Wohnadresse Jagdweg 7 HHs III an, also den dritten Stock im Hinterhaus. Die Adresse gilt auch am 18. 11. 1886 bei der Geburt der Tochter Bertha Gertrud. Er stirbt als Obermaschinenmeister am 1. 7. 1905 in seiner jetzigen Wohnung in der Rehefelderstraße 26 I in Dresden.

Beim Standesamt in Schönfeld bei Dresden wird vom Dienstknecht Gustav Adolph Mai, später im gleichen Eintrag Mey geschrieben, die am 4. 9. 1881 erfolgte Geburt des unehelichen Sohnes Adolph Bruno der Emma Wilhelmine Münchmeyer angezeigt, und er bekennt sich zur Vaterschaft. Die Mutter ist Tochter des Guthsbesitzers Friedrich Louis Münchmeyer ebenda. Am Tag der Eheschließung, dem 23. 2. 1883, lässt der Vater dies nachtragen. Die Aufgebotsverhandlung erfolgt am 21. 1. 1883 in Schönfeld. Braut und Bräutigam sind Handarbeiter, er geboren am 19. 12. 1854 in Bühlau, sie am 27. 8. 1855 in Lauterbach bei Stolpen, und sie wohnen in Cunnersdorf. Ihr Taufeintrag liegt in Abschrift dem Vorgang bei. Ihre erste Taufpatin am 13. 9. 1855 ist ihre Großmutter; deren verstorbener Ehemann war auch danach Schneider und Hausbesitzer in Lauterbach. Der zweite Taufpate war »deren 3. Sohn Gotthelf Heinrich Münchmeyer hier«, faktisch der zweite lebende Sohn, die dritte Patin Eleonore Ehefrau des Gottlieb Heyde, Gutsbesitzer in Lauterbach, also die andere Großmutter. Der Bräutigamsvater Vater Friedrich Wilhelm May war Brunnengräber in Zaschendorf, die Mutter Wilhelmine geborene Füssel lebt als Handarbeiterin in Zaschendorf. Der Brautvater Friedrich Louis Münchmeyer ist Gutsbesitzer in Schönfeld. Die elterliche Zustimmung May ist schriftlich erfolgt, die schriftliche Zustimmung Münchmeyer »nicht erforderlich«. Am 3. 8. 1885 wird die gemeinsame Tochter Emma Margaretha geboren, der Beruf des Vaters ist hier Feuermann, der Zuname wird May geschrieben, und die Wohnung befindet sich im Jagdweg 7 Parterre Hinterhaus. Die Geburt des Sohnes Curt Wilhelm am 14. 7. 1886 meldet die Hebamme und gibt die Hausnummer 6 Parterre Hinterhaus an; der Vater ist inzwischen Handarbeiter. Die Ehe wird später geschieden.

Der Sohn Otto Heinrich des Friedrich Louis, von Beruf Buchdrucker, heiratet am 14. 8. 1894 in Löbtau, wo er in der Schulstraße 12 wohnt, geboren am 22. 4. 1871 in Schönfeld, die Schneiderin Anna Maria Richter, geboren 21. 9. 1869 in Bermsgrün, Tochter des Wagenwärters bei der Staatsbahn Carl Friedrich Richter und der Christiane Dorothea Gehlert. Sein Vater wird als Gärtner in Schönfeld bezeichnet. Die Braut wohnt beim Bräutigam. Ihre Trauzeugen sind Nachbarn. Die Familie bleibt in Löbtau wohnen, wo die Kinder geboren werden. Auch Löbtau ist später nach Dresden eingemeindet worden. Otto Heinrich stirbt laut Zufügung im Traueintrag am 13. 4. 1942 in Zschachwitz, heute auch Ortsteil von Dresden.
  

Friedrich Louis Münchmeyer

Friedrich Louis Münchmeyer, der Bruder des Verlegers, mit seinen fünf Söhnen. – Archiv: Klaus Hoffmann.

  
Die Kinder von Friedrich Louis heiraten allesamt keine Angehörigen höherer Stände im Gegensatz zu ihren Cousinen, und bleiben auch nicht im Vaterhause wohnen, ebenso wenig suchen sie aber die Nähe der vermögenden nahen Verwandten, zeigen also ein gänzlich anderes Verhalten.

Interessante Angaben enthält auch der Traueintrag der Minna Ey vom 4. 8. 1879. Ihr voller Name lautete Minna Hulda Ey. Der Traueintrag bezeichnet sie als Privata, also nicht berufstätig, geboren am 28. 2. 1843 in Grüna bei Chemnitz als Tochter des ebenda verstorbenen Strumpfwirkers Carl August Ey und dessen Ehefrau Christiane Eleonore geborene Hein jetzt verehelichte Reuter. Die Mutter lebt in Dresden, die Tochter im Jagdweg 7 I. Eine separate Wohnadresse des Stiefvaters konnte nicht gefunden werden. Bräutigam ist der Eisenmöbelfabrikant Friedrich Carl Horst Tittel, geboren 16. 11. 1826 in Grimma, wohnend in der Breitestraße 10 III, Sohn des Feldwebels Wilhelm Carl Gotthelf Tittel, zuletzt Leubnitz bei Leipzig, und dessen erster Ehefrau Wilhelmine Gai, zuletzt Riesa. Trauzeugen sind der Buchdrucker Johann Carl Wilhelm Grack, wohnend Jagdweg 7 II, und der Buchhändler (!) Johann August Wilhelm Walther; seine Anschrift lautet Jagdweg 7 IV. In diesem Jahr scheint kein Adressbuch für Dresden erschienen zu sein. Ihr Ehemann Friedrich Tittel verstarb als Eisenmöbelfabricant am 6. 8. 1897 in seiner Wohnung Georgplatz 10 III in Dresden. Laut Todesanzeige war Tittels Vater Bahnbeamter. Friedrich Tittel wird auch als Eisenmöbelfabricant in Dresdener Adreßbüchern genannt, so 1895. Im Jahre 1880 wohnen die beiden in Wachwitz (!) Nr. 81a und haben am 22. 4. 1880 die gemeinsame Tochter Hedwig Rosa, im Jahre 1883 in Loschwitz Nummer 288 und haben am 4. 7. 1883 den Sohn Friedrich Horst. Weitere Kinder konnten nicht gefunden werden. Als die Mutter der Pauline und der Minna im Alter von 86 Jahren 10 Monaten 18 Tagen am 25. 5. 1897 stirbt, lautet deren Adresse Jagdweg 13. Sie stammte aus Arnsfeld bei Annaberg, ihr Ehemann Gottlob ist schon nicht mehr am Leben, seine Berufsbezeichnung lautet Markthelfer. Dessen Todesfall zeigt die Minna an und nennt als ihre Adresse Dresden, Georgsplatz 10. Tittel meldet mit der Wohnadresse Dresden, Carusstraße 11 I, daß der Privatier Carl Gottlob Reuter, geboren in Lungwitz bei Glauchau, im Alter von 80 Jahren 9 Monaten 25 Tagen im Jagdweg 7 I am 13. 7. 1884 gestorben sei. Offenkundig hat Reuter nach der Heirat mit der Witwe sie und deren Kinder nach Oberlungwitz mitgenommen, sodass die Ida Pauline und Heinrich Gotthold sich in Oberlungwitz kennengelernt haben. Ob er wohl als Kolporteur nach Oberlungwitz kam? Sein Traueintrag liegt nicht vor. Minna Tittel zieht nach dem Tod ihres Ehemannes nicht zur Schwester, sondern verlässt mit ihren Kindern Dresden; 1906 lebt sie in Ilmenau.

Ida Pauline Münchmeyer (Foto links) wird in den Adressbüchern für Dresden 1893, 1894, 1895 mit der Adresse Jagdweg 13 genannt, wohnt Parterre und III. Etage und ist nicht nur Inhaberin einer Verlagsbuchhandlung, sondern auch »Badebes.« (!). Als Badebesitzer firmiert schon ihr Ehemann, allerdings nicht durchgängig, ab 1880 mit Wohnung im Jagdweg 7 Parterre und I. Etage. Sie stirbt am 17. 5. 1928 in Dresden in ihrem Haus Bodenbacher Straße 25. Scheinbar ihre Tochter Alma Veronica verwitwete Heubner gibt dabei als Geburtsort das falsche Grüna an, nämlich jenes bei Lößnitz. Da der Standesbeamte aber bei der Beglaubigung der Übereinstimmung mit dem Hauptregister die Jahreszahl falsch mit 1929 einträgt, könnte der Fehler durchaus auch ihm unterlaufen sein. Weitere Daten zu der Familie Münchmeyer mögen außerhalb von Dresden auffindbar sein. Der Aufenthalt von Heinrich Gotthold Münchmeyer zwischen 1855 und 1860 ist noch unbekannt; da sein Vater nicht mehr am Leben war, hat er bis zur Volljährigkeit mit 21 Jahren unter Vormundschaft gestanden. Zum Militär jedoch konnte er davon unabhängig eingezogen werden. Vielleicht hat er noch bei weiteren Kindern seines Bruders Friedrich Louis Pate gestanden. 

 


   

Karl May – Forschung und Werk

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