Wolfgang Hallmann
  

Karl-May-Haus – Vom Wohnhaus zum Museum

  
Der Gedanke, im Geburtshaus Karl Mays einer Ausstellung zu Ehren des großen Sohnes der Stadt Hohenstein-Ernstthal zu etablieren, bewegte seine Verehrer schon vor Jahrzehnten. Abgesehen vom Anbringen der Gedenktafel an der Fassade des Hauses im Jahre 1929 gab es wohl 1942 den ersten Versuch, eine Ausstellung zu Mays Leben und Werk in der Karl-May-Straße 54 zu zeigen. Sicher hat sich auch 1967 der Freundeskreis Karl May in Hohenstein-Ernstthal mit Stefan Köhler, Lothar Layritz, Adolf Stärz, Friedrich Bachmann, Alfred Münch, Werner Polmar und Hans Zesewitz mit ähnlichen Gedanken getragen. Allein die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse verhinderten die Tätigkeit dieses Kreises. 1977 führte ich mit dem damaligen Bürgermeister Horst Bigus in diesem Sinne ein längeres Gespräch zur Nutzung des Karl-May-Hauses. May ein Denkmal zu setzen, gehörte nicht zu seinem inneren Anliegen, auch fehlte ihm ein obrigkeitlicher Impuls und die Gewissheit, dass er sich nicht auf eventuell vermintem Gelände bewegte. Die Zeit war einfach noch nicht reif.

1979 legte der 5. Philosophie-Kongress der DDR die theoretischen Grundlagen für eine neue Herangehensweise an Persönlichkeiten der Vergangenheit. Karl May wurde in der offiziellen DDR wieder schrittweise salonfähig, bei seinen Lesern war er es immer geblieben, auch im Osten. Die Weihnachten 1982 ausgestrahlte Fernsehdokumentation ›Ich habe Winnetou begraben‹, die Dr. Hainer Plaul (Berlin) und Gerhard Klussmeier (Hamburg) maßgeblich unterstützten, bot den Auftakt für eine Karl-May-Renaissance in der DDR. Extra für die dazu nötigen Dreharbeiten in Hohenstein-Ernstthal wurde der letzte Bewohner des Hauses Karl-May-Straße 54, Horst Dosda, auf Dauer ausquartiert, die heruntergekommene Fassade des Hauses erhielt eine neue Außenhaut in abgestuftem Grau, die in der Bevölkerung die kurzfristige Bezeichnung DEFA-Kulissenanstrich führte. Schließlich erreichte Hohenstein-Ernstthal, in der Provinz Ardistan gelegen, der etwas oberflächliche Ruf der Obrigkeit, im Karl-May-Haus eine Gedenkstätte für Karl May einzurichten. Mit allerlei Unsicherheit ließ man die Abteilung Kultur beim Rat des Kreises Hohenstein-Ernstthal eine Vorlage für die Ratssitzung am 17. März 1983, die die Nummer 41/83 trug, erstellen. Diese wurde mit dem Rat der Stadt Hohenstein-Ernstthal, dem Direktor der Gebäudewirtschaft und dem Kreisbaudirektor abgestimmt beziehungsweise durchgedrückt. Am gleichen Tag fasste der Rat des Kreises den Beschluss für den Ausbau des Karl-May-Hauses zu einer ›Gedenkstätte‹. Die einführende Begründung dafür lautete:

»Der gegenwärtig erreichte hohe Reifegrad des politischen Bewusstseins und die gefestigte vom Marxismus-Leninismus bestimmte weltanschauliche Basis sind eine wichtige Grundlage für die schöpferisch-kritische Aneignung des gesamten Kulturerbes.
   Mit dem Ausbau des Karl-May-Hauses zu einer Gedenkstätte soll das kulturelle Erbe, was uns der Schriftsteller Karl May hinterlassen hat, für eine weitere Vertiefung des sozialistischen Heimatbewusstseins intensiv genutzt werden. In enger Gemeinschaftsarbeit zwischen der SED-Kreisleitung, des Rates des Kreises Hohenstein-Ernstthal, des Rates der Stadt Hohenstein-Ernstthal, den Massenorganisationen und Betrieben des Territoriums wollen wir die Initiativen und Aktivitäten der Bürger auf die originale Erhaltung des in der Kreisdenkmalliste vom 27. November 1980 enthaltenen denkmalgeschützten Objektes lenken.
   An der Lösung der vielfältigen Aufgaben zum Ausbau der Gedenkstätte und der Erforschung der Heimatgeschichte wirken die vom Kulturbund gegründeten Gesellschaften für Denkmalpflege und Heimatgeschichte aktiv mit.«
  
 

Christa Mätzold und Ekkehard Fröde

Mitternachtsverpflegung, Christa Mätzold und Ekkehard Fröde. – Archiv Wolfgang Hallmann.

 
Unter dem Punkt »Nachweis des Bedarfs« wird in der Vorlage die grobe inhaltliche Zielstellung vorgegeben:

»Zur Pflege des Nationalen Kulturerbes ist es erforderlich, das Geburtshaus des 1842 in Ernstthal geborenen Schriftstellers Karl May in einen Zustand zu versetzen, der der Rolle Karl Mays und den Belangen der Denkmalpflege […] entspricht.
 

Ekkehard Fröde und Wolfgang Hallmann

Ekkehard Fröde und Wolfgang Hallmann beim Ausstellungsaufbau. – Archiv Wolfgang Hallmann.

  
Es ist vorgesehen, in den Räumen des Erdgeschosses und 1. Obergeschosses eine Ausstellung unterzubringen, in der das Leben und Wirken Karl Mays dargestellt werden soll. Da beides nur im Zusammenhang mit den in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Ernstthal herrschenden politischen und sozialen Verhältnissen richtig begriffen werden kann, soll diese Darstellung mit einer Aussage über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Ernstthaler Weber verbunden werden.

Im 2. Obergeschoss sollen die Kreisvorstände der Gesellschaft für Heimatgeschichte und der Gesellschaft für Denkmalpflege des Kulturbundes der DDR eine Heimstatt finden.«

Aus diesen Formulierungen spricht eine Besorgnis, sich ja keinen politisch unkorrekten Zungenschlag zu leisten und sich mit den Floskeln der Parteiführung abzusichern, aber auch der Vorlage zum Erfolg zu verhelfen.

Die baulichen Belange galten wohl als das geringste Problem, Geld wurde im Haushalt gesucht und gefunden, insgesamt sollten es 50 000 M sein, verschiedene Betriebe der Stadt reichten im Rahmen kommunalpolitischer Verträge Geld dazu aus, so zum Beispiel der IFA-Ingenieurbetrieb 20 000 M. Heinz Heiland agierte als vom Rat des Kreises eingesetzter Bauleiter.
 

Heinz Heiland

Heinz Heiland – Archiv Wolfgang Hallmann.

 
Schwerpunktmäßig 1983/84 wurde das Haus zunächst weitestgehend entkernt, nur die Außenwände blieben stehen, und im Dachgeschoss wurde die historische Raumaufteilung weitestgehend erhalten und nur leicht verändert. So wurde der Aufgang zum ehemaligen Taubenschlag beseitigt und die alten Wände wurden mit Holz verkleidet. Eine neu gebaute hölzerne Wendeltreppe verband die Etagen. Der abgeschlagene Putz in den unteren Etagen und im Flur erlaubten einen Blick auf das Gemäuer, das sich im Erdgeschoss gegenüber den höheren Etagen erheblich unterschied und so die frühere Entstehung als eingeschossiges Haus, das man später aufstockte, unterstrich.
 

Baustelle

Innenausbau des Karl-May-Geburtshauses. – Archiv Wolfgang Hallmann.

  
Die Realisierung des obigen Beschlusses war von Anfang an mit einer gehörigen Portion Unsicherheit beladen. Das begann mit der Vernichtung der genannten Vorlage kurz nach ihrer Ausgabe im Rat des Kreises. Der Begriff Gedenkstätte stieß vielerseits auf Ablehnung. Die SED-Kreisleitung ging davon aus, dass es für das Haus keine Öffnungszeiten geben sollte, sondern nur eine gelegentliche Öffnung unter Regie dieser Institution.

Dr. Hainer Plaul, damals Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR und deutschlandweit als wirklicher Karl-May-Experte bekannt, erhielt den Auftrag, eine Ausstellungskonzeption für das Museum zu erstellen, was dann auf wissenschaftlicher Grundlage im Umfang von 90 Seiten in ausgezeichneter Weise geschah. Doch die Umsetzung und der inhaltliche Ausbau des Hauses war relativ unklar.
 

Baustelle

Die Baustelle im Karl-May-Haus: Historisch-gekalktes Fachwerk wird mit Holz verblendet.
Der einstige Aufgang zum Taubenschlag wird entfernt. – Archiv Wolfgang Hallmann.

  
Einzelne Kulturbundmitglieder und Heimatfreunde wie Adolf Stärz, Ekkehard Fröde, Wolfgang Hallmann, Horst Richter und der Buchhändler Johannes Zimmermann fanden sich am 14. September 1983 im damaligen Haus der Massenorganisationen, dem späteren ›La Belle‹ an der Ecke der heutigen Conrad-Clauß-Straße/Immanuel-Kant-Straße, zur Gründung der Interessengemeinschaft Karl-May-Haus unter dem Dach des Kulturbundes zusammen, um die Ausgestaltung des Karl-May-Hauses allseitig zu sichern. Für eine Vereinsgründung im heutigen Sinne gab es keine Möglichkeit.

Die Ausstellungskonzeption von Dr. Plaul ließ bei der praktischen Umsetzung relativ weiten Spielraum. Einerseits lagen die Texte für den Teil Leben und Werk damit vor, aber für die Tafeln und Vitrinen mussten sie unbedingt gekürzt werden, um die Besucher nicht zu überfordern. Diese Arbeit nahm der Autor in enger Abstimmung mit Dr. Plaul vor. Schließlich ergab sich ein Textumfang mit immer noch ca. 2 1/2 Lesestunden. Was aber die Exponate anbelangte, war außer einer Reihe von Büchern kaum etwas vorhanden. Wieder war es Dr. Plaul, der teils auf abenteuerliche Weise fremdsprachige May-Ausgaben aus aller Welt beschaffte, was sich zu DDR-Zeiten nicht gerade einfach realisieren ließ.
  

Dr. Hainer Plaul und Wolfgang Hallmann

Dr. Hainer Plaul und Wolfgang Hallmann am 14. Februar 1985 bei der Auswahl der Vitrinentexte.
Archiv Wolfgang Hallmann.

  
Nach einigen Presseveröffentlichungen setzte eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. Bücher, darunter seltene Exemplare, Dokumente und Gegenstände, erreichten das Karl-May-Haus als Spenden und Leihgaben. Der Karl-May-Verlag Bamberg half schließlich ebenso mit, stellte Faksimiles von alten Urkunden zur Verfügung und später eine Halbleder-Reprintausgabe der Gesammelten Reiseerzählungen von Fehsenfeld mit 33 Bänden, die Roland Schmid übergab.

Was die materielle Ausstattung wie Möbel, Mu-seumsgut, den Webstuhl, Vitrinen, Lampen und anderes mehr anbelangte, entfaltete Ekkehard Fröde sein volles Organisationstalent. Er organisierte ebenso die Helfer für alle möglichen speziellen Aufgaben. Max Thomasius baute den Handwebstuhl auf, Helga Heber und Katrin Lämmel von der Möbelstoffweberei übernahmen dann das Einrichten und Anweben. Auch im Außenbereich gab es viele Aufgaben, der Metallrestaurator des Glauchauer Museums reinigte die 1929 angebrachte Gedenktafel an der Fassade des Hauses, und der Chef der GPG Baumschulen, Rudolf Petrik, pflanzte höchstpersönlich einen Apfel- und einen Pflaumenbaum sowie den Holunderbusch, schließlich legte er einen kleinen Wassertümpel für die Frösche an.

Wie für viele Details der Ausstellung wurde Mays ›Mein Leben und Streben‹ (1910) herangezogen, auch wenn heute vermutet wird, dass sich mancher seiner Hinweise wohl mehr auf den späteren Wohnsitz der Familie May am Ernstthaler Markt bezogen hat.

Für die Weberstube musste seine Schilderung ebenfalls genügen bis hin zum ›birkenen Hans‹, der Züchtigungsrute, von der Vater Heinrich August May wohl des Öfteren Gebrauch machte. Die Ausgestaltung dieses Raumes oblag weitestgehend Adolf Stärz, der auch die verschiedenen lebensgroßen Figuren schuf, so auch den Kara Ben Nemsi, damals liebevoll nach seinem Schöpfer Kara Ben Stärzi genannt. Ihm oblag auch die Herstellung von Waffen aus bestem Fichtenholz, die wie ein Aberwitz von einem Waffenexperten der Volkspolizei auf Schussunfähigkeit geprüft wurden.
 

Adolf Stärz

Adolf Stärz bei Arbeiten am Kara Ben Stärzi 1985. – Archiv Wolfgang Hallmann.

  
Der spätere Raum für fremdsprachige Buchausgaben nebenan blieb zunächst das Arbeitszimmer des Karl-May-Haus-Leiters, Ekkehard Fröde. Auf dem Boden, wo sich zu Mays Zeiten die Schlafkammern der Kinder befanden, entstanden ein kleiner Archivraum und ein Raum mit Dachschräge für Sonderausstellungen bzw. als Leseraum.

Viele helfende Hände fanden sich, um das Karl-May-Haus bis zum geplanten Eröffnungstermin einzurichten. Horst Richter wirkte beim Vitrinenaufbau und bei Transporten mit. Hans-Joachim Matthes leistete unersetzliche Hilfe bei der praktischen Gestaltung der Ausstellungstafeln und vieles andere mehr. Irmgard Hetze und Christa Meyer unterstützten beim Aufziehen von Text-passagen und Fotos auf Trägermateria-lien.
Doch die Hauptarbeit zur Ausgestaltung des künftigen Museums lag in den Händen von Adolf Stärz, von Ekkehard Fröde, der die Gesamtregie führte, und von Wolfgang Hallmann, der unter anderem für den Inhalt der Vitrinen und Wandtafeln sorgte.

All die Arbeiten vor Ort waren erst ab Januar 1985 möglich, nachdem die Handwerker wie Tischler, Klempner, Heizungsbauer, Elektriker, Gürtler und Maler ihr Werk vollendet hatten. Die Ausgestalter von der IG Karl-May-Haus wirkten ehrenamtlich in unzähligen Freizeitstunden, oft bis in die tiefe Nacht hinein, vor allem je näher der Eröffnungstermin heranrückte.

Am Vorabend der Eröffnung, so gegen 23 Uhr, stellten wir fest, dass dem Ofen in der Weberstube das Ofenrohr fehlte. Adolf Stärz wusste Abhilfe und fertigte in der Nacht ein ›Ofenrohr‹ aus Wellpappe und strich es mit Ofenschwärze. Erst jetzt mit der neuen Ausgestaltung des Karl-May-Hauses hat es nach 30 Jahren ausgedient. Provisorien halten eben am längsten. Die letzten Maybände wanderten morgens halb vier vor der Eröffnung in die Vitrinen. Ohne das fast grenzenlose Engagement der kleinen Kerntruppe und ihrer Helfer wäre die Ausstellung so nie zustande gekommen und dabei kamen wir uns nicht selten als illegal vor, misstrauisch beäugt von allerlei Seiten, vor allem von der SED-Kreisleitung. Diese unterstützte die Arbeiten nicht wirklich, wie in der Vorlage vorgesehen, aber schaute uns ängstlich über die Schulter, auch von städtischer Seite befürchtete man, mit unseren Arbeitsergebnissen eventuell politisch anzuecken, zu überraschend war die Karl-May-Renaissance über sie hereingebrochen. Das gipfelte sogar darin, dass wir an der inoffiziellen Eröffnung, die für den 12. März 1985 mit der SED-Kreisleitung, der SED-Bezirksleitung, dem Rat des Bezirkes und dem Rat der Stadt geplant war, nicht teilnehmen sollten. Es bedurfte erst unserer massiven Intervention beim Bürgermeister, dass dies möglich wurde.

Ansonsten ließ sich niemand von der regionalen Obrigkeit blicken bis auf die Abteilungsleiterin Kultur vom Rat des Kreises, Christa Mätzold. Nicht nur einmal brachte sie uns um Mitternacht einen Imbiss und Getränke und schoss uns mitunter den Weg frei, wenn die Säge irgendwo klemmte. Einmal brachten wird sie in Bedrängnis, und zwar mit der illegal produzierten Broschüre Karl-May-Stätten in Hohenstein-Ernstthal. Das Karl-Marx-Werk Pößneck hatte sie etwas außerhalb der damaligen gesetzlichen Vorschriften gedruckt, und 2500 Exemplare lagen seit Anfang 1985 schon in Hohenstein-Ernstthal. Schließlich wurden die Broschüren vom Rat des Kreises requiriert, aber zur Eröffnung wieder herausgegeben. Einige mehr gedruckte Exemplare hatten wir schon verschickt, um Referenzen zu unserer Sicherheit zu erhalten und sie kamen. Selbst Hermann Kant, der damalige Präsident des Schriftstellerverbandes der DDR und Frühbekenner zu May (in Die Aula, 1965), lobte die Broschüre als bisher bestes Sekundärmaterial über May. Dies und einiges mehr hatte uns wohl vor größerem Ärger bewahrt.

Es gab da aber noch einen ›stillen Schirmherren‹, den wir als Unterstützer für das Projekt Karl-May-Haus gewonnen hatten. Schon 1984 führte ich mit dem Zirkushistoriker Markschiess van Trix aus Berlin ein Gespräch zum Vorhaben Geburtshaus Karl Mays. Der bot Hilfe an. Unter anderem vermittelte er eine Einladung zur Eröffnung des Karl-May-Hauses an seinen Gartennachbarn. Der war kein geringerer als Klaus Höpcke, stellvertretender Minister für Kultur der DDR von 1973–1989, der sich des Öfteren für kulturelle Aktivitäten eingesetzt hatte, die nicht unbedingt als linientreu galten. Sein Kommen signalisierte er nicht, ließ es aber wohlwollend offen. So konnten wir hier in Ardistan verkünden, dass der stellvertretende Kulturminister höchstwahrscheinlich zur Eröffnung des Karl-May-Hauses kommt, das war für das Vorhaben behilflich.

Schließlich kam der große Tag der Eröffnung des Karl-May-Hauses, zunächst im kleinen Kreis am 12. März 1985, was eher einer Abnahme glich, der die SED-Kreisleitung mit einigem Bangen entgegensah. Schließlich kam Politprominenz vom Bezirk, so auch der Sekretär für Agitation und Propaganda der SED-Bezirksleitung, Wolfgang Enders. Bürgermeister Horst Bigus hielt die Eröffnungsrede und Ekkehard Fröde führte die Delegation durch die Ausstellung im ersten Stock. Alle hielten sich mit einer Wertung oder anerkennenden Worten zurück, bis Wolfgang Enders endlich den erlösenden Satz aussprach: »Das habt ihr gut gemacht.« Erhard Thurm, der erste Kreissekretär der SED, wandte sich um und wiederholte unterstreichend diese Worte. Die Spannung war gelöst, das Museum poltisch abgesegnet und nun konnte es auch Öffnungszeiten für das Karl-May-Haus geben.

Am nächsten Tag, dem 13. März 1985, ging die offizielle Eröffnung über die Bühne. Heerscharen von Karl-May-Freunden drängten sich durch die engen Räume und Flure. Der Zuspruch der Besucher hielt über lange Zeit ungebrochen an. Am Sonntag, dem 24. März 1985, kamen in sechs Stunden 710 Besucher. Bis Ende 1988 betraten rund 76 000 Gäste das neue Mekka der Karl-May-Fans.
  

Kassenraum

Der Kassenraum, wie er in den Anfangsjahren aussah.
Das Foto aus dem Jahr 1992 zeigt Ekkehard Fröde und Kerstin Horváth (heute Harder) mit Museumsbesuchern.

  
Inzwischen sind über 3 Jahrzehnte ins Land gegangen. Die Gesellschaft hat sich gewandelt, Ansprüche an museale Einrichtungen sind enorm gestiegen, Erkenntnisse über May sind gewachsen und technische und finanzielle Möglichkeiten sind vergleichsweise unendlich größer geworden. Die Zeit ist mehr als reif für eine bauliche Ergänzung des Museums. Im Sommer 2021 ist die Eröffnung des erweiteren Karl-May-Hauses geplant, und wir dürfen darauf gespannt sein.

 


   

Erinnerungstätten an Karl May

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